Sie waren letzte Woche am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos tätig. Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt?
Robert Wonneberger: Am interessantesten war für mich, wie gut die Logistik funktioniert hat, obwohl Davos ein Nadelöhr ist. Die Infrastruktur war allerdings komplett am Limit. Viele Besucher kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Zürich oder Bern, schlafen nicht vor Ort, weil es so teuer ist. Da sitzt man dann im Zug mit Leuten aus 20 Ländern, die alle nach Davos reisen, um sich diesen Wahnsinn aus der Nähe anzuschauen, darunter sehr viele Journalisten.
Immerhin reisten die wichtigsten Politiker aus aller Welt an.
Stimmt, aber nach meiner Einschätzung geht es am WEF nicht wirklich um Politik, das ist nur das Feigenblatt. Im Kern geht es um Big Business. Natürlich trifft man dort viele Politiker, einige sind privat dort, andere mit Personenschutz. Aber auch sie nutzen das WEF als Plattform, um Deals einzufädeln. Es ist Kapitalismus in Reinform und aus nachhaltiger Sicht aber absoluter Irrsinn: Unzählige Edel-Limousinen verstopfen das Dorf, Hotelmitarbeiter müssen ihre Wohnungen verlassen, damit diese für teures Geld vermietet werden und eine Stange Bier kostet 18 Franken.