28.01.2026

«Im Kern geht es um Big Business»

Interview: Tobias Hüberli – Fotos: z. V. g.
Während des Weltwirtschaftsforums in Davos produzierten im Kongresszentrum 130 Köche täglich 6500 Mahlzeiten. Robert Wonneberger vom Gerätehersteller Gigatherm erhielt dabei exklusive Einblicke hinter die Kulissen.
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Sie waren letzte Woche am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos tätig. Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt?
Robert Wonneberger: Am interessantesten war für mich, wie gut die Logistik funktioniert hat, obwohl Davos ein Nadelöhr ist. Die Infrastruktur war allerdings komplett am Limit. Viele Besucher kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Zürich oder Bern, schlafen nicht vor Ort, weil es so teuer ist. Da sitzt man dann im Zug mit Leuten aus 20 Ländern, die alle nach Davos reisen, um sich diesen Wahnsinn aus der Nähe anzuschauen, darunter sehr viele Journalisten.

Immerhin reisten die wichtigsten Politiker aus aller Welt an.
Stimmt, aber nach meiner Einschätzung geht es am WEF nicht wirklich um Politik, das ist nur das Feigenblatt. Im Kern geht es um Big Business. Natürlich trifft man dort viele Politiker, einige sind privat dort, andere mit Personenschutz. Aber auch sie nutzen das WEF als Plattform, um Deals einzufädeln. Es ist Kapitalismus in Reinform und aus nachhaltiger Sicht aber absoluter Irrsinn: Unzählige Edel-Limousinen verstopfen das Dorf, Hotelmitarbeiter müssen ihre Wohnungen verlassen, damit diese für teures Geld vermietet werden und eine Stange Bier kostet 18 Franken.

Robert Wonneberger
Robert Wonneberger

Was essen die WEF-Teilnehmer eigentlich?
Im Kongress selbst gab es Flying Buffets und Mittagsstationen – mehrheitlich fleischlos, zum Beispiel asiatische Reisgerichte, Risotti und durchaus spannende Sachen wie im Ganzen geröstete Kürbisse aus dem Ofen. Sehr oft wurde auf Fleisch und Fisch verzichtet, um möglichst viele Kulturen und Essgewohnheiten zu berücksichtigen. Neben asiatischen und afrikanischen Teilnehmenden waren heuer auffällig viele US-Amerikaner vor Ort. Man begegnete gefühlt alle drei Meter einem CEO aus den USA. Tatsächlich fehlte für die Verpflegung oft der Platz.  Da sah man dann die Elite der Welt am Boden sitzen und Salat aus Pappschachteln essen.

Wie haben Sie die Organisation hinter den Kulissen des Kongresszentrums erlebt?
Um überhaupt in die Zone zu kommen, mussten die Mitarbeitenden den gleichen Weg gehen,wie die Teilnehmer. Es gab zwei Eingänge und es ging zu und her wie am Flughafen. Sämtliche Gepäckstücke, sowie alle Lebensmittellieferungen wurden gescannt, insgesamt musste man drei Kontrollen durchlaufen. Die Organisation der Gastronomie erlebte ich sehr ruhig und koordiniert. Das hat sicher auch mit der langjährigen Erfahrung von  Markus Lindner, Executive Chef des Kongresszentrums und Kongresshotels Davos, zu tun. Nach zwei Tagen waren die Führungskräfte allerdings schon sehr blass, der Schlafmangel machte sich bemerkbar.

Am WEF feierte die Neuentwicklung «EggCheff» ihre Premiere. Was hat es mit dem Gerät auf sich?
Ursprünglich  war die Idee, ein ganzes rohes Ei in einem Gerät zu kochen. Der Markt dafür ist aber relativ klein. Dafür haben Rühreier im Hotelbereich oft ein Qualitätsproblem, sie sind selten gut, ausser man bewegt sich im Fünf-Sterne-Bereich. Mit dem «EggCheff» lassen sich hochwertige Rühreier portionsweise in zirka 50 Sekunden herstellen. Vor allem aber kann das der Gast selbst machen, ähnlich wie bei einer Kaffeemaschine. Er füllt einen leeren Becher mit einem rohen Ei sowie allen Zutaten, die er sich dazu wünscht und stellt das Ganze ins Gerät. In weniger als einer Minute ist das Ei sämig gegart. Der «EggCheff» basiert auf einer Mikrowellen-Technologie und befindet sich seit 2025 in Serienproduktion. In der Schweiz sind derzeit etwa 20 Geräte in Betrieb, vor allem in Hotels, aber auch in Mitarbeiterrestaurants, etwa bei der Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz in Zürich.

Der «EggCheff» befindet sich seit 2025 in Serienproduktion.
Der «EggCheff» befindet sich seit 2025 in Serienproduktion.

Wie kam der «EggCheff» am WEF an?
Wir hatten drei Geräte im Einsatz, unter anderem im provisorischen Mitarbeiterrestaurant der Kantonspolizei Graubünden. Für die Event-Teilnehmer hatten wir eine Rezeptur mit Trüffel und Speck konzipiert, das kam gut an. Viele fragten auch, ob man damit auch Risotto oder Nudeln produzieren könnte. Daran haben wir auch schon gedacht, aber die Entwicklung ist entsprechend aufwendig. Die Leute haben aber schnell verstanden, dass das Gerät grundsätzlich für mehr als nur Eier geeignet ist.

In welchen Bereichen orten Sie Potenzial für den «EggCheff»?
Die Hotellerie und Kantinen sind sicher ein Zielmarkt, wir sind aber auch  mit Spitälern im Gespräch, weil Eierspeisen für die Mitarbeiter und auf den Stationen eine Rolle spielen. Überall dort, wo Mitarbeitende fehlen, sind die Geräte eine interessante Lösung. Aber es braucht noch viel Aufklärungsarbeit

Zur Person

Robert Wonneberger (40) ist gelernter Koch und lebt seit 2005 in der Schweiz. Viele Jahre war er als Küchenchef bei Mövenpick Restaurants tätig, bevor er in verschiedene Funktionen in der Gastro-Tech-Branche wechselte – unter anderem bei Rational Schweiz, FRIMA, Mettler Gastrotechnik und Pacojet. Heute arbeitet Wonneberger bei der Gigatherm AG. Das auf Mikrowellen-Technologie spezialisierte Unternehmen betreibt in Flawil (SG) eine eigene Entwicklungsabteilung, einen Prototypenbau sowie eine Manufaktur mit Produktion. Seit 2019 verantwortet Gigatherm die Entwicklung und Produktion des «EggCheff» für die Firma Eggciting. Das Gerät ist seit 2025 in Serienproduktion und wird weltweit vertrieben.

gigatherm.ch