02.04.2025 Salz&Pfeffer Ausgabe 1/2025

Mit scharf und allem

Text: Claudia Salzmann – Fotos: Jürg Waldmeier
Wer sich Robert Steuris Kreationen genauer anschaut, realisiert schnell: Da ist ein weit gereister und engagierter Profi am Werk. Einer, der in Luzern, auch dank den «spassigen Leuten» und dem FC Luzern, angekommen zu sein scheint.
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Forelle | Bohne | Avocado | Jalapeño
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Was man selbst zu Hause kochen kann, gibt es im Maihöfli bestimmt nicht. Nach diesem Leitsatz kocht Robert Steuri seit Herbst 2023 in Luzern. Der gebürtige Deutsche scheut sich nicht vor Schärfe. «Wenn Jalapeño auf dem Menü steht, sollte das auch im Gericht enthalten sein. Wir gehen ‹all in›.» Ein Sicherheitsnetz hat er: seine Stammgäste. Ihnen serviert er seine mutigen Ideen als Zwischengang, das Feedback sei direkt und ehrlich.

Eines seiner Signature Dishes ist ein Taco, inspiriert von Aufenthalten in Mexiko und Kalifornien. Steuri hat hier einen würdigen Ersatz gefunden, den Foodtruck De Börner, dessen Route er genau kennt und oft bei ihnen isst. «In diesem Taco ist alles vereint, was ein gutes Gericht ausmacht. Die Schärfe der Chillies, die Säure der Limetten.» Nicht von ungefähr kauft er bei den Foodtruckern die Salsa verde ein.

Das Maihöfli-Interieur kommt sanft daher, mit schokoladigen Wänden und gradliniger Einrichtung. Schlichte Beizenkultur anstatt steifer Etikette. Einst lud er seine Eltern mit erspartem Geld in ein Sternerestaurant ein. «Das Essen war top, aber der Service sehr ungelenk. Da wusste ich, ich will Offenheit und Herzlichkeit.»

Seine Karriere führte ihn von Frankfurt ins Bernbiet (Grandhotel in Giessbach, Boutiquehotel Glacier in Grindelwald und Hotel Eden in Spiez), bevor er schliesslich hier im Luzerner Quartier startete. Dazwischen absolvierte er Praktika bei Sergio Herman im Pure C, im The Jane von Nick Brill und im Sens bei Jeroen Achtien. Danach gönnte Steuri sich eine Pause, da es Familienzuwachs gab. Die kleine Lili kommt ganz nach dem Papa: «Sie probiert alles, sogar scharf. Am liebsten mag sie Linsencurry oder Chili con Carne.»

Aus Frankfurt vermisst er den Fussballklub, Haxen, Sülzchen, Rotkraut, Braten – alles, was glücklich macht. Die spassigen Leute, der FC Luzern und die tolle Stadt hätten aber seine Ankunft erheblich erleichtert. Das erzählt er, während vor ihm riesige Töpfe mit Jus dampfen. Diese stehen seit zwei Tagen auf dem Herd. Nicht ohne Aufsicht, er wohnt gleich nebenan.

Seine Neuentdeckung in der Schweiz: Schnörrli und Schwänzli. «Ich habe das an einer Metzgete erstmals gegessen.» Auch im Maihöfli gibt es solche Fleischstücke. Der Trick: «Wir annoncieren das am Tisch verklausuliert und verziehen uns schnell zurück in die Küche.» Viele zögern bei Innereien, aber so probieren die Gäste Unbekanntes. «Und die meisten lieben es.»

Restaurant Maihöfli
Maihofstrasse 70, 6006 Luzern
041 420 60 60
maihoefli-luzern.ch

Birne | Schokolade | Passionsfrucht | Kaffirlimettenblatt
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Hirsch | Rande | Sesam | Brombeere
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