
Sind Sie das Marketing-Gesicht oder die Taktangeberin im Sternen?
Noémie Bernard: Beides. (Lacht). Am Schluss sind wir ein Familienbetrieb, bei uns läuft alles Hand in Hand.
Ihre Karriere führte Sie ins Berner Bellevue Palace, anschliessend nach Vitznau und nach Basel zu Tanja Grandits. Warum arbeiten Sie nun im beschaulichen Walchwil mit Ihren Eltern?
Mein Wunsch nach Selbstständigkeit war gross. Und für mich war klar, dass wenn ich mich selbstständig mache, meine Eltern ein Teil davon sein sollten. Wo es uns hintreiben würde, war damals noch nicht klar. Der Sternen war ein Glückstreffer.
Angefangen hat hier alles mit einem Handschlag. Erzählen Sie.
Wir hatten das Restaurant im Internet entdeckt und uns darauf beworben. Beim Probekochen sagte uns die Besitzerfamilie schon nach dem zweiten Gang, dass wir den Hausschlüssel haben können. Wir wollten aber noch fertigkochen, erst danach besiegelten wir das Geschäft mit einem Handschlag.
Das ist jetzt sieben Jahre her. Wie läuft der Sternen?
Eigentlich super, auch die Coronapandemie haben wir gemeistert. 2022 war unser stärkstes Jahr, in dem viele etwas nachholen wollten. 2023 und 2024 liefen sehr gut. Und ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr noch besser wird, weil wir langsam eine etablierte Adresse sind. All die Arbeit hat sich gelohnt.
Was haben Sie von Ihren Eltern gelernt?
Man muss alles rundherum im Griff haben. Das habe ich unterschätzt. Ich habe gelernt, unternehmerisch zu denken, wie man Mitarbeiter führt und dass die Familie an oberster Stelle steht, egal was passiert. Das Kochen ist ein kleiner Teil im Betrieb.
Die Aussicht aus Ihrer Küche ist spektakulär. Sehen Sie das überhaupt noch?
So viele Fenster in einer Restaurantküche zu haben, ist aussergewöhnlich. Man sieht direkt auf den Zugersee und die Sonnenuntergänge sind wunderschön. Ich liebe es zu schwimmen, aber nehme mir nur in den Ferien Zeit dafür.
Selbst wenn es scherbelt, bleiben Sie die Ruhe in Person. Wie schaffen Sie das?
Es hat ein wenig Zeit gebraucht, bis ich so ruhig geworden bin. Ich bin sehr temperamentvoll und muss mich innerlich kontrollieren. Sich aufzuregen nützt nichts. Es ist wichtig, eine Lösung zu finden und das Problem zu bereinigen, nur so geht es vorwärts.
Viele Spitzenlokale sind mittags geschlossen. Der Sternen nicht.
Wenn ich mich an einem Arbeitstag morgens nicht für den Mittagservice vorbereiten kann, fühlt es sich an wie ein verlorener Tag. Im Bellevue Palace in Bern erging es mir so – man startete je nach Schicht um 15 Uhr und arbeitete bis um Mitternacht. Ich fühle mich so einfach nicht wohl. Ausserdem haben die Leute mittags ebenfalls Hunger. Also wieso das Lokal nicht öffnen? Ich finde es cool und gehe selber gerne mittags essen.
Ein Stammgast kommt jeden Mittag. Wie halten Sie ihn bei der Stange?
Wir passen das Menü für ihn an. Der Service spielt dabei eine grosse Rolle. Und unsere Herzlichkeit. Es gibt keine Sonderbehandlung, aber wir wissen, was er mag: Eine Flasche Bordeaux muss sicher immer offen sein, ein zusätzliches Kissen und Fisch im Hauptgang. Details sind wichtig.
In Ihrem Menü stecken Schweiz, Schottland, Südtirol, Japan und die Karibik drin. Haben Sie Fernweh?
Ich werde diese Wanderjahre, in denen Köche rund um die Welt reisen, privat nachholen. Mal zwei Wochen dorthin, eine Woche hierhin. Würde ich heute einen Flug buchen, ginge es auf die Malediven oder in die Karibik. Der wirkliche Reiseplan steht aber noch nicht.