
Als der Schweizer Verband für Heim-, Spital- und Gemeinschaftsgastronomie (SVG) die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Betriebsleiter der Gemeinschaftsgastronomie initiierte, war Ronald Reagan eben erst zum neuen US-Präsidenten gewählt worden. Und im Radio liefen brandneue Sachen wie «Upside Down» von Diana Ross oder «Brass in Pocket» von den Pretenders. «Anfang der Achtzigerjahre erkannten die Verantwortlichen im Verband die Wichtigkeit einer höheren Fachbildung, die zugeschnitten ist auf die Bedürfnisse der Gemeinschaftsgastronomie», so Dorothee Stich, Geschäftsführerin des SVG.
Seit 2012 wird der Lehrgang unter der Bezeichnung «Leiter /-in Gemeinschaftsgastronomie mit eidgenössischem Diplom» von der branchenübergreifenden Bildungsplattform Hotel & Gastro formation Schweiz durchgeführt. Daneben existieren in der Gastronomie derzeit noch drei weitere höhere Fachprüfungen mit eidgenössischem Diplom, nämlich der Küchenchef, Leiter / Leiterin Hotellerie-Hauswirtschaft sowie Leiter / Leiterin Restauration.
«Die Ausbildung Leiter/-in Gemeinschaftsgastronomie ist ein wichtiger Teil unseres Programms geworden», sagt Peter Meier, Leiter Höhere Berufsbildung bei Hotel & Gastro formation. Sämtliche Lehrgänge der höheren Fachprüfungen bestehen aus acht Modulen. «Sieben der acht sind für alle Teilnehmenden, egal ob Küchenchef oder Leiterin Hotellerie-Hauswirtschaft, identisch», so Meier. Der grosse Vorteil dabei sei, dass ein eidgenössisch diplomierter Küchenchef nur noch ein Modul sowie eine Prüfung ablegen müsse, um sich zusätzlich das Diplom zum Leiter Gemeinschaftsgastronomie zu sichern. «Viele Küchenchefinnen und Küchenchefs arbeiten in der Gemeinschaftsgastronomie und profitieren mittlerweile von dieser Möglichkeit.»
Dieses Jahr steht nun eine Gesamtrevision sämtlicher höherer Berufsprüfungen an. «Es geht darum, die Inhalte der Lehrgänge zu hinterfragen und, wo nötig, zu modernisieren», so Meier. Dieser Prozess dürfte erfahrungsgemäss rund drei Jahre in Anspruch nehmen, also eher weniger lange als bei Grundbildungen. Bei der Hotel&Gastro formation hat man für die Revision eigens eine Projektleitung unter der Führung von Nina Theus eingerichtet. Um sich ein möglichst detailreiches Bild der Gesamtlage zu verschaffen, sollen verschiedene Umfragen bei Trägerverbänden durchgeführt werden. In den Fachmedien wird über das Projekt informiert.
Bereits letztes Jahr ermittelte der SVG mittels kurzen Interviews die Gefühlslage bei diplomierten Leiterinnen und Leitern der Gemeinschaftsgastronomie. Aufschlussreich war dabei etwa die Frage, inwiefern die Ausbildung den beruflichen Aufstieg förderte. Alle befragten Absolventinnen und Absolventen profitierten von einem regelrechten Karriere-Boost. Robert Merz zum Beispiel war während der Ausbildung als «kochender Betriebsleiter» bei der SV Group tätig, heute ist er Leiter Restaurants und Angebotssteuerung im Berner Inselspital. Géraldine Vaucher wiederum wirkte als Teamleiterin und arbeitet heute als Bereichsleiterin Hotellerie. «Der Lehrgang Leiterin Gemeinschaftsgastronomie hat mir den beruflichen Aufstieg sowie die Übernahme grösserer Verantwortung ermöglicht und meinen Karriereweg nachhaltig positiv beeinflusst», schreibt sie.
Aber auch die Art des Unterrichts sowie die Qualität der Dozentinnen und Dozenten wurden generell positiv bewertet. «Das breite Generalisten-Wissen, das vermittelt wurde, sowie das Fördern von vernetztem Denken unterstützt mich noch heute in meinem Wirken», schreibt Gabrielle Obrecht, Zentrumsleitung im Pflegezentrum Luegenacher. Reto Vögeli, mittlerweile Leiter des Personalrestaurants V-Zug, schätzte das fundierte Wissen der Referenten. Die Ausbildung sei auch eine Art Networking-Anlass gewesen. «Die Kontakte, die ich damals knüpfte, sind heute noch wertvoll, privat wie auch geschäftlich.»
Doch was genau ist von der Revision zu erwarten? «So ein Projekt sollte man ergebnisoffen starten», sagt Meier. Lerninhalte würden sowieso laufend aktualisiert. Überprüft würden zusätzlich die inhaltlichen Schwerpunkte und die Prüfungsstruktur. Der Zugang sei ebenfalls ein Thema. «Die jungen Leute haben nicht mehr die gleichen Lebensläufe wie früher, wir müssen schauen, wie wir bereits erworbene Bildungsleistungen anrechnen.» Sicher sei auch, dass man die Revision in engem Austausch mit dem SVG vornehmen wolle.